Was ist das Sühnopfer Jesu Christi? Wenn du diesen Begriff zum ersten Mal hörst, klingt er vielleicht ungewohnt oder sogar etwas schwer verständlich. „Sühnopfer“ gehört schließlich nicht gerade zu den Wörtern, die wir im Alltag mit Freunden ständig benutzen. Was bedeutet Sühne eigentlich, und wer hat da ein Opfer gebracht? 

Im Begriff Sühnopfer steckt die zentrale Botschaft des Evangeliums: Durch Jesus Christus kannst du Vergebung finden, dich verändern und eines Tages zu Gott zurückkehren. Aber das Sühnopfer betrifft nicht nur Sünde und das Leben nach dem Tod. Es spielt auch eine Rolle bei Schmerz, Trauer, Schwäche und all den anderen Erfahrungen, die zum Menschsein dazugehören.

Was ist das Sühnopfer Jesu Christi?

Mit dem Sühnopfer Jesu Christi sind sein Leiden in Getsemani, sein Tod am Kreuz und seine Auferstehung gemeint. Diese Ereignisse gehören zusammen. Durch sie überwand Jesus Christus die Folgen von Sünde und Tod.

Um zu verstehen, warum das notwendig war, hilft ein Blick ganz an den Anfang der biblischen Geschichte.

Adam und Eva lebten zunächst in der Gegenwart Gottes. In der Bibel wird erzählt, dass sie von Gott getrennt wurden, nachdem sie sich gegen sein Gebot entschieden hatten. Dadurch wurden sie sterblich und mussten die unmittelbare Gegenwart Gottes verlassen. Damit kamen zwei Dinge in die Welt, die der Mensch nicht aus eigener Kraft überwinden kann: der körperliche Tod und die Trennung von Gott. 

Was ist das Sühnopfer Jesu Christi bzw. was hat es damit zu tun? Im Kern ist es die Antwort auf genau diese beiden Probleme.

Durch seine Auferstehung überwand er den körperlichen Tod. Weil er auferstand, können du und ich, und jeder Mensch auferstehen – unabhängig davon, wie er gelebt hat oder woran er geglaubt hat. Dank Jesus gibt es ein Leben nach dem Tod.

Das Sühnopfer beinhaltet aber noch mehr. Durch sein Sühnopfer macht Christus außerdem den Weg zurück zu Gott möglich. Und das ist etwas Gutes. Durch das Sühnopfer Christi kannst du nicht nur für immer leben, sondern auch für immer bei Gott, deinem Himmlischen Vater.

Warum brauchen wir das Sühnopfer Jesu Christi?

Jesus umarmt eine Person sehr innig. Man sieht die Nägelmale in seinen Händen.
Bild: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Vielleicht denkst du bei Sünde zuerst an besonders schwere Verfehlungen. Doch das Problem beginnt viel früher. Kein Mensch lebt vollkommen. Wir treffen ständig Entscheidungen, verletzen andere, handeln egoistisch oder tun Dinge, von denen wir eigentlich wissen, dass sie nicht richtig sind.

Und manches davon können wir nicht einfach ungeschehen machen.

Du kannst dich entschuldigen und versuchen, einen Fehler wiedergutzumachen. Beides ist wichtig. Trotzdem kannst du die Vergangenheit nicht zurückdrehen. Genau deshalb geht es beim Sühnopfer nicht darum, so zu tun, als wäre nichts passiert.

Es geht darum, dass Veränderung und Vergebung tatsächlich möglich sind.

Jesus Christus übernimmt dabei etwas, das du selbst nicht leisten kannst. Durch ihn musst du nicht für immer auf deine schlechtesten Entscheidungen reduziert werden. Du kannst umkehren, Vergebung empfangen und neu anfangen.

Wenn du dich also fragst: Was ist das Sühnopfer Jesu Christi?, gehören Umkehr und Vergebung unbedingt zur Antwort. Das Sühnopfer ist kein Freibrief nach dem Motto: „Jesus hat sowieso alles bezahlt.“ Umkehr gehört dazu. Wenn du erkennst, dass etwas falsch war, kannst du dich Christus zuwenden, Verantwortung übernehmen und versuchen, dein Verhalten zu verändern.

Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und das Sühnopfer

Eine Darstellung der ausgestreckten Hand des Herrn, Jesus Christus.
Bild: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Ein hilfreicher Gedanke ist das Verhältnis zwischen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit.

Stell dir vor, jemand verursacht einen Schaden, den er selbst niemals vollständig wiedergutmachen kann. Einfach zu sagen „Ist schon okay“ würde das Problem nicht unbedingt lösen. Der Schaden wäre schließlich trotzdem entstanden.

Auf geistlicher Ebene stehen wir vor einem ähnlichen Problem. Entscheidungen haben Konsequenzen. Gleichzeitig möchte Gott uns vergeben und uns die Möglichkeit geben, zu ihm zurückzukehren.

Jesus Christus verbindet beides.

Er nimmt die Folgen der Sünde auf sich und ermöglicht dadurch Barmherzigkeit, ohne dass Gerechtigkeit bedeutungslos wird. Du musst dich also nicht selbst irgendwie „reinwaschen“ oder durch genügend gute Taten beweisen, dass du Vergebung verdient hast.

Vergebung wird durch Christus möglich.

Deine Aufgabe besteht nicht darin, dein eigener Erlöser zu sein. Deine Aufgabe ist es, zu ihm zu kommen.

Das Sühnopfer beginnt nicht erst am Kreuz

Ein Gemälde von Yongsung Kim, Jesus betet im Garten Getsemani. Von oben kommt eine Taube herab.
Gemälde: Der Herr des Gebets, von Yongsung Kim, Lighthaven.

Bei der Frage „Was ist das Sühnopfer Jesu Christi?“ denken wir schnell nur an die Kreuzigung. Sie gehört unbedingt dazu – aber das Geschehen beginnt bereits vorher.

Im Garten Getsemani zog sich Jesus kurz vor seiner Verhaftung zum Gebet zurück. Das Neue Testament beschreibt seine Qual so intensiv, dass sein Schweiß „wie Blutstropfen“ wurde.

Im Buch Mormon wird dieser Gedanke noch erweitert. Dort wird beschrieben, dass Christus nicht nur die Sünden der Menschen auf sich nahm, sondern auch ihre Schmerzen, Krankheiten, Versuchungen und Schwächen.

Danach folgten seine Verhaftung, Misshandlung und Kreuzigung. Jesus starb und wurde in ein Grab gelegt.

Doch damit endet die Geschichte nicht.

Am dritten Tag stand er von den Toten auf. Genau deshalb gehört die Auferstehung untrennbar zum Sühnopfer. Der Tod Christi ohne die Auferstehung wäre nicht der Sieg über den Tod, von dem das Evangelium spricht.

Das Sühnopfer Jesu Christi betrifft nicht nur Sünden

Dieser Aspekt macht das Sühnopfer besonders persönlich.

Vielleicht hast du bei Jesus Christus bisher vor allem an Vergebung gedacht. Doch sein Sühnopfer bedeutet auch, dass er menschliches Leid vollkommen versteht.

Trauer nach dem Tod eines geliebten Menschen. Einsamkeit. Angst. Enttäuschung. Krankheit. Das Gefühl, nicht zu genügen. Oder die Folgen der Entscheidungen anderer, für die du selbst überhaupt nichts kannst.

Nicht jedes Leid ist die Folge einer eigenen Sünde. Deshalb wäre es zu kurz gedacht, das Sühnopfer nur als Lösung für Schuld zu betrachten.

Jesus Christus kann dir auch in Situationen Kraft geben, die du nicht verursacht hast und vielleicht nicht einmal verändern kannst.

Auch das gehört zur Antwort auf die Frage „Was ist das Sühnopfer Jesu Christi?“: Christus kann dich nicht nur von Sünde erlösen. Durch das, was er auf sich genommen hat, kennt er auch Schmerz, Schwäche und Leid.

Das bedeutet nicht, dass jedes Problem plötzlich verschwindet, sobald du betest. Manchmal verändert sich eine Situation. Manchmal nicht. Der Gedanke hinter dem Sühnopfer ist vielmehr, dass du in solchen Erfahrungen nicht außerhalb der Reichweite Christi bist.

Er kennt menschliches Leid nicht nur theoretisch.

Was bedeutet das Sühnopfer für deinen Alltag?

Jesus schaut nach oben und streckt seine Hände gen Himmel. Es handelt ich um ein Gemälde von Yongsung Kim
Gemälde: Yongsung Kim

Vielleicht klingt das alles zunächst nach großer Theologie: Adam und Eva, Sünde, Tod, Auferstehung, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit. Doch letztlich wird das Sühnopfer gerade im ganz normalen Leben relevant.

Du hast etwas getan, das du bereust? Du kannst umkehren.

Du kämpfst seit langem mit derselben Schwäche und kommst nur langsam voran? Du kannst es weiter versuchen.

Du hast das Gefühl, deine Vergangenheit definiere, wer du bist? Durch Christus ist Veränderung möglich.

Du erlebst etwas, das du dir nicht ausgesucht hast und kaum tragen kannst? Du kannst Gott um Kraft bitten.

Das Sühnopfer bedeutet deshalb nicht nur Vergebung nach einem Fehler. Es bedeutet auch Hoffnung darauf, dass Veränderung möglich ist – selbst dann, wenn du sie allein nicht schaffst.

Muss ich mir Vergebung verdienen?

Hier kann leicht ein Missverständnis entstehen.

Umkehr, Gebote und gute Taten sind wichtig. Aber sie sind nicht der Preis, mit dem du das Sühnopfer bezahlst. Du kannst dir die Erlösung nicht verdienen, indem du einfach genügend gute Dinge tust.

Christus hat getan, was du selbst nicht tun könntest.

Gleichzeitig lädt er dich ein, ihm zu folgen. Dazu gehören Glaube, Umkehr, die Taufe und der Versuch, nach seinen Geboten zu leben. Nicht, weil du dadurch beweisen musst, dass du seine Hilfe verdient hast, sondern weil Nachfolge Veränderung bedeutet.

Das Ziel ist also nicht Perfektion von heute auf morgen.

Das Ziel ist, dich immer wieder Christus zuzuwenden.

Häufige Fragen zum Sühnopfer Jesu Christi

Was ist das Sühnopfer Jesu Christi einfach erklärt?

Das Sühnopfer Jesu Christi umfasst sein Leiden in Getsemani, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung. Dadurch überwand Jesus Christus Sünde und Tod und machte es möglich, dass du Vergebung erhalten, auferstehen und zu Gott zurückkehren kannst.

Warum musste Jesus Christus für unsere Sünden leiden?

Sünde trennt uns von Gott. Diese Trennung können wir nicht allein überwinden. Jesus Christus nahm die Folgen der Sünde auf sich und ermöglicht dadurch Vergebung, wenn du dich ihm zuwendest und umkehrst.

Gehört die Auferstehung zum Sühnopfer Jesu Christi?

Ja. Das Sühnopfer Jesu Christi umfasst nicht nur sein Leiden und seinen Tod, sondern auch seine Auferstehung. Durch die Auferstehung Christi wird der körperliche Tod für alle Menschen überwunden.

Was geschah im Garten Getsemani?

Kurz vor seiner Verhaftung betete Jesus Christus im Garten Getsemani und litt dort auf außergewöhnliche Weise. Dieses Leiden ist ein wichtiger Teil seines Sühnopfers. Im Buch Mormon wird erklärt, dass er dabei nicht nur Sünden, sondern auch Schmerzen, Krankheiten und menschliche Schwächen auf sich nahm.

Hilft das Sühnopfer auch, wenn ich nichts falsch gemacht habe?

Ja. Das Sühnopfer betrifft nicht nur Schuld und Vergebung. Jesus Christus nahm auch menschliches Leid auf sich. Deshalb kannst du dich ihm auch mit Trauer, Krankheit, Einsamkeit, Angst oder anderen Belastungen zuwenden.

Was muss ich tun, um das Sühnopfer in Anspruch zu nehmen?

Du kannst mit Glauben an Jesus Christus beginnen und dich ihm zuwenden. Wenn du etwas falsch gemacht hast, gehört Umkehr dazu: den Fehler erkennen, Verantwortung übernehmen, Gott um Vergebung bitten und dich bemühen, dein Verhalten zu verändern. Das Sühnopfer ist die Grundlage dafür, dass echte Vergebung und Veränderung überhaupt möglich sind.

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