Hast du dich schon einmal gefragt, wie genau der Ablauf der letzten Woche Jesu aussah?
Nach drei Jahren seines Wirkens war der Moment gekommen, in dem Jesus Christus sein großes und ewiges Opfer vollbringen würde und markierte den Höhepunkt seines sterblichen Wirkens und die Erfüllung dessen, was die Propheten seit langem angekündigt hatten.
Tag 1: Der triumphale Einzug
Die Stadt Jerusalem war voller Leben, als das Passahfest näher rückte. Viele Menschen waren angereist, um an diesem bedeutenden Fest teilzunehmen. Den Berichten zufolge ritt Jesus Christus auf einem jungen Esel in die Stadt und erfüllte somit die Worte des Propheten Sacharja:
„Frohlocke laut, Tochter Zion! Brich in Jubel aus, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir; gerecht und ein Retter ist er, demütig, und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen, dem Jungen einer Eselin.”
In diesem Moment machte Christus unmissverständlich deutlich, dass er der Messias war. Elder Bruce R. McConkie lehrte:
„All die Einzelheiten dieses einzigartigen Ereignisses fügten sich zu einem klaren Zeugnis über die Identität der zentralen Person in dieser Szene zusammen. Es war, als würde Jesus sagen: ‘Viele Male habe ich euch offen… gezeigt, dass ich der Messias bin. Auch meine Jünger bezeugen dies. Jetzt komme ich zu euch als der König Israels, genau so, wie es die alten Propheten vorausgesagt haben; und selbst eure Beteiligung an diesem Ereignis ist ein Zeugnis dafür, dass ich der bin, der kommen sollte, um mein Volk zu erlösen.'” (McConkie, DNTC, Vol. 1, pp. 577–78.)
Am selben Tag lehrte der Erlöser auch, dass sein Tod notwendig sei, um Gottes Plan zu erfüllen. Außerdem bereitete er seine Jünger auf die kommende Zerstörung Jerusalems vor und weinte über die Stadt.
Tag 2: Die Tempelreinigung
Am zweiten Tag steht ein kraftvolles Zeichen im Mittelpunkt: Jesus Christus reinigt den Tempel. In Matthäus 21:15 heißt es:
„Als aber die Hohepriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und hörten, wie die Kinder im Tempel laut riefen: ‘Hosanna dem Sohn Davids!’, waren sie aufgebracht”.
Das hier mit „Kinder“ übersetzte Wort bezieht sich laut der Joseph-Smith-Übersetzung auf „Söhne des Reiches“. Elder Bruce R. McConkie erklärt:
„Dabei handelte es sich, wie die Bibel nahelegt, nicht um kleine Kinder oder Jungen, sondern um Jünger – Mitglieder der Kirche, Menschen, die ein Zeugnis von der Göttlichkeit Jesu hatten. Aus diesen erwachsenen „Söhnen des Reiches“, diesen Mitgliedern der Kirche, die durch Umkehr und Taufe in Christus „wie neugeborene Kinder“ geworden waren (1 Petrus 2:2), empfing er vollkommenes Lob. Wie hätte dieses Lob von jemand anderem kommen können als von denen, die die Eingebungen des Heiligen Geistes kannten und ihnen folgten?”
Ebenfalls an diesem Tag verfluchte Jesus den unfruchtbaren Feigenbaum. Diese Handlung vermittelt mehrere wichtige Lehren. Der Feigenbaum kann als Symbol für religiöse Führer verstanden werden, die zwar äußerlich Frömmigkeit zeigen, aber keine echte Rechtschaffenheit besitzen. Gleichzeitig erinnert uns dieses Ereignis daran, dass unser Leben mit unserem Glauben übereinstimmen sollte.
Zugleich greift Jesus hier eine frühere Lehre auf: Umkehr ist notwendig. Wir sind eingeladen, unser Leben zu ändern und Frucht zu bringen. Nachdem die Jünger dieses Wunder gesehen hatten, nutzte der Erlöser die Gelegenheit, um sie über die Kraft des Glaubens zu lehren.
Tag 3: Lehren auf dem Ölberg
Der dritte Tag im Ablauf der letzten Woche Jesu ist geprägt von intensiven Lehren. Auf dem Ölberg spricht der Erretter einige seiner bekanntesten Gleichnisse: von den zwei Söhnen, den bösen Weingärtnern, dem verworfenen Stein, dem königlichen Hochzeitsmahl, den zehn Jungfrauen und den Talenten.
Gleichzeitig wird Jesus von seinen Gegnern herausgefordert. Pharisäer, Schriftgelehrte und andere versuchen, Ihn in eine Falle zu locken, um einen Grund für eine Verurteilung zu finden.
Eine der bekanntesten Fragen, mit der Jesus reingelegt werden sollte, betrifft die Steuer. Jesus antwortet:
„So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser zusteht, und Gott, was Gott zusteht!“
Elder Howard W. Hunter erklärte dazu:
„Die Weisheit dieser Antwort zeigt die Grenzen einer doppelten Herrschaft auf und macht die Zuständigkeit zweier Bereiche deutlich – die des Himmels und die der Erde. Das Bild von Herrschern, das auf Münzen geprägt ist, weist darauf hin, dass zeitliche Dinge dem weltlichen Herrscher gehören. Das Bild Gottes jedoch, das dem Herzen und der Seele eines Menschen eingeprägt ist, bedeutet, dass sein ganzes Wesen und all seine Kräfte Gott gehören und in seinem Dienst eingesetzt werden sollen.“(Howard W. Hunter, CR, April 1968, S. 65.)
Neben diesen Auseinandersetzungen lehrt Jesus auch über die zwei größten Gebote, das Endgericht und die Opfergabe der Witwe. Der Ablauf der letzten Woche Jesu zeigt hier besonders deutlich seine göttliche Weisheit und Autorität.
Tag 4: Ein stiller Tag
Über den vierten Tag berichten die Evangelien nichts Konkretes. Es ist gut möglich, dass Jesus diese Zeit im Kreis seiner Jünger verbrachte.
Tag 5: Das letzte Abendmahl und Gethsemane
Der fünfte Tag gehört zu den zentralen Momenten im Ablauf der letzten Woche Jesu. Hier verdichten sich viele entscheidende Ereignisse.
Jesus feiert mit seinen Aposteln das Passahmahl, wäscht ihnen die Füße und setzt das Abendmahl ein. Dabei kündigt er auch seinen Verrat und seinen Tod an. In seinem großen Fürbittgebet bittet er für seine Jünger und für alle, die an Ihn glauben werde.
Elder James E. Talmage beschreibt die Einsetzung des Abendmahls:
„Während Jesus mit den Zwölf noch am Tisch saß, nahm er ein Brot oder einen Laib, dankte ehrfürchtig, segnete es und heiligte es dadurch. Dann gab er jedem der Apostel ein Stück und sprach: ,Nehmt und esst; dies ist mein Leib‘; oder, ausführlicher berichtet: ,Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis.‘
Dann nahm er einen Becher mit Wein, dankte ebenfalls, segnete ihn und reichte ihn ihnen mit den Worten:
,Trinkt alle daraus; denn dies ist mein Blut des neuen Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Ich sage euch aber: Ich werde von nun an nicht mehr von dieser Frucht des Weinstocks trinken bis zu jenem Tag, an dem ich sie neu mit euch trinken werde im Reich meines Vaters.‘
Auf diese schlichte, aber eindrucksvolle Weise wurde die heilige Handlung eingesetzt, die seitdem als das Abendmahl des Herrn bekannt ist. Brot und Wein, durch Gebet geweiht, werden zu Sinnbildern für den Leib und das Blut des Herrn und sollen ehrfürchtig und zu seinem Gedächtnis genommen werden.“ (Jesus the Christ, 576–77.)
Nach diesem letzten Zusammensein geht Jesus in den Garten Gethsemane.
„Dort nahm Jesus die Sünden der Welt auf sich – unter der Voraussetzung der Umkehr. Dort litt er über das hinaus, was menschliche Kraft ertragen kann. Dort blutete er aus jeder Pore. In Gethsemane erlebte er eine so große Qual, dass er bereit war, diesen bitteren Kelch an sich vorübergehen zu lassen – und doch traf er gerade dort die endgültige Entscheidung, den Willen des Vaters zu erfüllen. Dort war es auch, wo ein Engel vom Himmel herabkam, um ihn in seiner schwersten Stunde zu stärken. Viele Menschen sind gekreuzigt worden, und die Qualen und Schmerzen einer solchen Hinrichtung sind unermesslich – doch nur einer, der Sohn Gottes, beugte sich unter der Last des Leidens, das in jener dunklen Nacht auf ihn gelegt wurde: der Nacht, in der er unter alles hinabstieg, um sich darauf vorzubereiten, über alles erhoben zu werden.“ (McConkie, DNTC, Vol. 1, pp. 774–75.)
Tag 6: Das Kreuz
Am sechsten Tag spitzt sich der Ablauf der letzten Woche Jesu dramatisch zu. Der Erlöser wird von Judas Iskariot verraten, festgenommen, vor Gericht gestellt und schließlich verurteilt. Er wird verspottet, geschlagen und nach Golgatha geführt. Dort wird er gekreuzigt. Am Kreuz spricht Jesus bedeutende Worte, bevor er schließlich sein Leben hingibt.
Elder James E. Talmage schrieb:
„Jesus Christus war tot. Sein Leben war ihm nicht genommen worden, außer insofern, als er es selbst zugelassen hatte. So süß und willkommen die Erlösung durch den Tod auch in früheren Phasen seines Leidens – von Gethsemane bis zum Kreuz – gewesen wäre, lebte er doch weiter, bis alles vollbracht war, wie es bestimmt worden war. In den Letzten Tagen hat die Stimme des Herrn Jesus selbst die Wirklichkeit seines Leidens und seines Todes sowie den dadurch erfüllten ewigen Zweck bekräftigt. Höre und beachte seine Worte: „Denn siehe, der Herr, euer Erlöser, litt den Tod im Fleisch; deshalb litt er die Schmerzen aller Menschen, damit alle Menschen umkehren und zu ihm kommen können.“ (Talmage, Jesus the Christ, 639–40.)
Sein Leib wird anschließend von Joseph von Arimathäa in ein Grab gelegt.
Tag 7: Das Grab
Ein großer Stein wird vor den Eingang des Grabes gerollt, und Soldaten bewachen es (Matthäus 27:62–66).
Ablauf der letzten Woche Jesu – Die Auferstehung
Am ersten Tag der Woche, am dritten Tag nach seinem Tod (also Sonntag), steht Jesus Christus von den Toten auf. Er erscheint zuerst Maria Magdalena und später seinen Jüngern.
Elder D. Todd Christofferson lehrte:
„Durch sein Sühnopfer und seine Auferstehung hat Jesus Christus alle Aspekte des Falls überwunden. Der körperliche Tod ist nur vorübergehend, und selbst der geistige Tod hat insofern ein Ende, als alle zumindest zeitweilig in die Gegenwart Gottes zurückkehren werden, um gerichtet zu werden. Wir können vollkommenes Vertrauen in seine Macht haben, alles andere überwinden und uns ewiges Leben gewähren zu können.”
Was bedeutet der Ablauf der letzten Woche Jesu für dich?
Wenn du den Ablauf der letzten Woche Jesu betrachtest, erkennst du, dass jeder Tag eine Einladung enthält.
Eine Einladung zu glauben.
Eine Einladung umzukehren.
Eine Einladung, Jesus Christus nachzufolgen.
Welche dieser Einladungen spricht dich gerade am meisten an?
Vielleicht ist diese Woche zukünftig auch für nicht nur ein Ereignis der Vergangenheit – sondern eine persönliche Einladung an dich heute.
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