Die Taufe für Verstorbene gehört zu den Lehren der Kirche Jesu Christi, die oft erst einmal Fragen aufwerfen. Manche Menschen haben schon einmal den Begriff „Totentaufe“ gehört und fragen sich, was dahintersteckt. Warum werden Verstorbene getauft? Kann jemand nach seinem Tod Mitglied einer anderen Kirche werden? Und steht das überhaupt in der Bibel?
Gleich einmal vorweg: Bei der Taufe für Verstorbene werden keine Verstorbenen getauft, keine Gräber geöffnet und keine sterblichen Überreste verwendet.
Stattdessen lässt sich eine lebende Person stellvertretend für einen Verstorbenen taufen. Die Taufe findet ganz normal in einem Taufbecken im Tempel statt. Die verstorbene Person ist dabei nicht körperlich anwesend.
Für Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist die Taufe für Verstorbene ein Ausdruck von Gottes Liebe und Gerechtigkeit. Sie glauben, dass jeder Mensch die Möglichkeit haben soll, sich frei für oder gegen Jesus Christus zu entscheiden – auch dann, wenn er diese Gelegenheit während seines Erdenlebens nie hatte. Die Taufe für Verstorbene sehen Mitglieder der Kirche also quasi als Angebot an bereits verstorbene Verwandte.
In diesem Artikel erfährst du, was die Taufe für Verstorbene bedeutet, warum sie durchgeführt wird und welche Rolle sie im Glauben der Kirche Jesu Christi spielt.
Was ist die Taufe für Verstorbene?
Die Taufe für Verstorbene ist eine stellvertretende Taufe. Dabei lässt sich eine lebende Person im Tempel im Namen eines Menschen taufen, der bereits verstorben ist.
Die Handlung ist wie bei einer Taufe für sich selbst durch Untertauchen im Wasser. Der Unterschied besteht darin, dass sie stellvertretend für jemanden durchgeführt wird, der selbst nicht mehr auf der Erde lebt.
Wichtig ist dabei: Mitglieder der Kirche glauben nicht, dass dadurch automatisch etwas mit dem Verstorbenen geschieht. Die Taufe ist vielmehr ein Angebot. Ob eine verstorbene Person diese Taufe annimmt oder ablehnt, bleibt ihre eigene Entscheidung.
Die Taufe für Verstorbene wird ausschließlich in Tempeln der Kirche Jesu Christi durchgeführt.
Warum gibt es die Taufe für Verstorbene?
Die Taufe für Verstorbene beruht auf einer einfachen Frage:
Jesus sagte: „Wenn jemand nicht aus dem Wasser und dem Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.” (Johannes 3:5)
Was ist also mit den Milliarden Menschen, die nie die Möglichkeit hatten, das Evangelium Jesu Christi kennenzulernen?
Viele Menschen lebten lange vor Christus. Andere hatten nie Kontakt zum Christentum. Wieder andere starben, bevor sie sich mit Glaubensfragen beschäftigen konnten.
Mitglieder der Kirche Jesu Christi glauben, dass Gott alle seine Kinder liebt und jedem Menschen dieselbe Möglichkeit geben möchte, ihn kennenzulernen und selbst zu entscheiden, ob er ihm folgen möchte.
Die Taufe für Verstorbene ist Teil dieses Glaubens. Sie soll sicherstellen, dass niemand allein deshalb von Segnungen ausgeschlossen wird, weil er zur falschen Zeit oder am falschen Ort gelebt hat.
Glaubt die Kirche an ein Leben nach dem Tod?

Ja. Die Taufe für Verstorbene ergibt nur Sinn, wenn das Leben nach dem Tod weitergeht.
Die Kirche Jesu Christi lehrt, dass der Tod nicht das Ende unserer Existenz ist. Nach dem Tod lebt der Geist weiter. Menschen behalten ihre Persönlichkeit, ihre Erinnerungen und ihre Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen.
Die Bibel beschreibt den Tod als eine Trennung von Körper und Geist:
„der Staub [fällt] auf die Erde zurück als das, was er war, und der Atem [kehrt] zu Gott zurück, der ihn gegeben hat.“ (Prediger 12:7)
Mitglieder der Kirche glauben, dass sich verstorbene Menschen bis zur Auferstehung in einer Zwischenwelt, der Geisterwelt (wobei sich Geist hier in etwa auf die Seele des Menschen bezieht) befinden und dort weiterhin lernen, wachsen und Entscheidungen treffen können.
Deshalb endet die Möglichkeit, sich mit Gott auseinanderzusetzen, nicht zwangsläufig mit dem Tod.
Warum braucht es überhaupt eine Taufe?
Jesus Christus und seine Jünger lehrten, dass die Taufe eine wichtige Voraussetzung für diejenigen ist, die ihm nachfolgen möchten.
Petrus sagt im Gespräch zu seinen Gesprächspartnern: „Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“ (Apostelgeschichte 2:38).
Die Taufe ist mehr als ein religiöses Ritual. Sie ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass jemand Jesus Christus nachfolgen möchte und einen Bund mit Gott eingeht.
Auch Jesus selbst ließ sich taufen, obwohl er ohne Sünde war.
Mitglieder der Kirche Jesu Christi glauben deshalb, dass die Taufe für alle Menschen vorgesehen ist. Wenn Gott aber allen Menschen dieselbe Möglichkeit geben möchte, muss es auch für diejenigen einen Weg geben, die nie die Gelegenheit hatten, sich taufen zu lassen.
Die Taufe für Verstorbene ist nach diesem Verständnis Teil von Gottes Plan für alle seine Kinder.
Können Verstorbene selbst entscheiden?
Ja.
Das ist einer der wichtigsten Punkte überhaupt.
Manche Menschen stellen sich vor, dass Verstorbene durch eine Taufe automatisch Mitglieder der Kirche werden oder dass ihnen nachträglich eine Religion aufgezwungen wird. Das entspricht nicht dem Glauben der Kirche Jesu Christi.
Mitglieder der Kirche glauben an die Entscheidungsfreiheit des Menschen. Diese Freiheit endet nicht mit dem Tod.
Die Taufe für Verstorbene macht daher niemanden automatisch zu einem Mitglied der Kirche. Sie eröffnet lediglich die Möglichkeit, die Segnungen der Taufe anzunehmen.
Ob eine verstorbene Person diese Taufe akzeptiert oder ablehnt, bleibt ihre eigene Entscheidung.
Aus Sicht der Kirche kann niemand gegen seinen Willen zum Nachfolger Jesu Christi gemacht werden – weder im Leben noch nach dem Tod.
Gab es Taufen für Verstorbene schon im frühen Christentum?
Ein interessanter Hinweis findet sich im Neuen Testament.
Der Apostel Paulus schreibt:
„Wie kämen sonst einige dazu, sich für die Toten taufen zu lassen? Wenn Tote gar nicht auferweckt werden, warum lässt man sich dann taufen für sie?“ (1. Korinther 15:29)
Diese Stelle beschäftigt Bibelwissenschaftler seit Jahrhunderten. Die genaue Bedeutung wird unterschiedlich interpretiert. Dennoch sind sich viele Forscher darin einig, dass Paulus hier auf eine Praxis Bezug nimmt, die seinen Lesern bekannt war.
Wie diese Taufen genau durchgeführt wurden, wissen wir heute nicht. Doch der Vers zeigt, dass die Vorstellung einer Taufe zugunsten Verstorbener bereits in der Zeit der frühen Christen bekannt war.
Auch einige christliche Autoren der ersten Jahrhunderte erwähnten diese Bibelstelle und berichten von Gruppen, die dieses Prinzip lebten.
Mitglieder der Kirche Jesu Christi sehen darin einen Hinweis darauf, dass Taufen für Verstorbene Teil des ursprünglichen Christentums waren.
Gleichzeitig glauben sie, dass sich viele Lehren und Praktiken der frühen Kirche im Laufe der Jahrhunderte verändert haben oder verloren gingen. Die Taufe für Verstorbene gehört nach ihrem Verständnis zu den Lehren, die durch göttliche Offenbarung wiederhergestellt wurden.
Warum finden Taufen für Verstorbene im Tempel statt?
Tempel spielen in der Kirche Jesu Christi eine besondere Rolle.
Während sonntägliche Gottesdienste in Gemeindehäusern stattfinden, werden bestimmte heilige Handlungen ausschließlich im Tempel vollzogen.
Dazu gehören auch Taufen für Verstorbene.
Mitglieder der Kirche betrachten Tempel als Orte besonderer Andacht und Gottesverehrung. Dort sollen Menschen Gott näherkommen und wichtige Bündnisse schließen.
Die Taufe für Verstorbene wird deshalb nicht in gewöhnlichen Kirchengebäuden durchgeführt, sondern in den Tempeln der Kirche.
Warum beschäftigen sich Mitglieder der Kirche mit Ahnenforschung?
Wer sich mit der Taufe für Verstorbene beschäftigt, stößt schnell auf ein weiteres Thema: Familiengeschichte.
Viele Mitglieder der Kirche investieren Zeit in Ahnenforschung. Sie suchen nach Informationen über Eltern, Großeltern und frühere Generationen.
Der Grund dafür ist einfach: Für eine Taufe für Verstorbene wird der Name der betreffenden Person benötigt, da die Mitglieder nur Namen eigener Familienmitglieder zur Taufe mitnehmen oder weitergeben können.
Doch Ahnenforschung hat für viele Mitglieder noch eine tiefere Bedeutung. Sie hilft dabei, die eigene Familiengeschichte besser kennenzulernen und die Verbindung zu früheren Generationen zu stärken.
Die Kirche Jesu Christi lehrt, dass Familien über den Tod hinaus von Bedeutung sind. Deshalb betrachten viele Mitglieder die Beschäftigung mit ihren Vorfahren als einen Ausdruck von Liebe, Respekt und Dankbarkeit.
Häufige Missverständnisse zur Taufe für Verstorbene

Werden Verstorbene dadurch automatisch Mitglieder der Kirche?
Nein.
Eine Taufe für Verstorbene bedeutet nicht, dass jemand automatisch Mitglied der Kirche Jesu Christi wird. Die Kirche zählt Verstorbene, für die eine stellvertretende Taufe durchgeführt wurde, nicht als Mitglieder.
Wird jemand gegen seinen Willen getauft?
Nein.
Nach dem Glauben der Kirche behält jeder Mensch seine Entscheidungsfreiheit. Die Taufe kann angenommen oder abgelehnt werden.
Verändert die Taufe für Verstorbene die Religion, der jemand zu Lebzeiten angehörte?
Nein.
Eine stellvertretende Taufe ändert weder die persönliche Geschichte noch die religiöse Zugehörigkeit eines Menschen während seines Erdenlebens.
Mitglieder der Kirche betrachten die Taufe als ein Angebot, nicht als eine nachträgliche Umschreibung des Lebens eines Menschen.
Warum werden Namen Verstorbener überhaupt eingereicht?
Die Kirche lehrt, dass alle Menschen die Möglichkeit erhalten sollen, die Segnungen des Evangeliums anzunehmen.
Deshalb werden Namen von Verstorbenen erfasst, damit stellvertretende Taufen durchgeführt werden können. Für Mitglieder der Kirche ist dies ein Dienst aus Liebe und Respekt gegenüber ihren Vorfahren.
Eine Hoffnung, die über den Tod hinausreicht

Für Mitglieder der Kirche Jesu Christi ist die Taufe für Verstorbene weit mehr als eine ungewöhnliche religiöse Praxis. Sie ist Ausdruck des Glaubens, dass Gottes Liebe alle Menschen umfasst – unabhängig davon, wann oder wo sie gelebt haben.
Die Taufe für Verstorbene soll niemandem etwas aufzwingen. Sie soll vielmehr sicherstellen, dass jeder Mensch dieselbe Möglichkeit erhält, Jesus Christus kennenzulernen und selbst zu entscheiden, ob er ihm folgen möchte.
Aus diesem Grund beschäftigen sich Mitglieder der Kirche mit ihren Vorfahren, besuchen Tempel und nehmen an stellvertretenden Taufen teil. Sie sehen darin einen Dienst der Liebe und eine Erinnerung daran, dass Gottes Plan nicht mit dem Tod endet.
Häufige Fragen zur Taufe für Verstorbene
Was ist die Taufe für Verstorbene?
Die Taufe für Verstorbene ist eine stellvertretende Taufe, die in einem Tempel der Kirche Jesu Christi für eine bereits verstorbene Person durchgeführt wird.
Warum praktiziert die Kirche Jesu Christi die Taufe für Verstorbene?
Mitglieder der Kirche glauben, dass jeder Mensch die Möglichkeit haben soll, das Evangelium Jesu Christi anzunehmen – auch wenn er diese Gelegenheit während seines Lebens nicht hatte.
Können Verstorbene die Taufe ablehnen?
Ja. Nach dem Glauben der Kirche bleibt die Entscheidungsfreiheit auch nach dem Tod bestehen. Niemand wird gezwungen, eine stellvertretende Taufe anzunehmen.
Steht die Taufe für Verstorbene in der Bibel?
Mitglieder der Kirche verweisen unter anderem auf 1. Korinther 15:29, wo Paulus Menschen erwähnt, die sich „für die Toten taufen lassen“.
Wo werden Taufen für Verstorbene durchgeführt?
Taufen für Verstorbene werden ausschließlich in Tempeln der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage durchgeführt.
