Die Familie in der Kirche Jesu Christi spielt eine zentrale Rolle im Glauben ihrer Mitglieder. Viele Mitglieder sehen Familie nicht nur als wichtigen Teil des Lebens, sondern auch als Teil von Gottes Plan für den Menschen. Dabei geht es um Liebe, Verantwortung, Zusammenhalt und persönliches Wachstum.

Gleichzeitig wirft das Thema Familie viele Fragen auf — besonders in einer modernen Gesellschaft, in der Familien sehr unterschiedlich aussehen können. Wie steht die Kirche zu Scheidung? Was bedeutet eine „ewige Familie“? Wie wird mit Patchworkfamilien oder Homosexualität umgegangen?

Dieser Artikel gibt einen verständlichen Überblick darüber, was die Familie in der Kirche Jesu Christi bedeutet und wie Mitglieder versuchen, diese Werte im Alltag zu leben.

Warum Familie in der Kirche Jesu Christi so wichtig ist

Die Familie gilt als ein wichtiger Teil des Glaubens. Viele Mitglieder glauben, dass Gott Familien bewusst geschaffen hat, damit Menschen gemeinsam wachsen, lernen und einander unterstützen können.

Die Familie wird dabei oft als Ort gesehen, an dem Liebe, Vertrauen und Verantwortung entstehen. Eltern sollen Kinder begleiten und ihnen Werte vermitteln. Gleichzeitig sollen Familienmitglieder einander helfen, schwierige Zeiten zu bewältigen.

Dabei geht es nicht um die Vorstellung einer perfekten Familie. Wie überall, erleben auch Mitglieder der Kirche Konflikte, Trennungen, Scheidungen, Sorgen oder unterschiedliche Lebenswege. Trotzdem bleibt die Idee wichtig, dass familiäre Beziehungen Kraft und Halt geben können.

Proklamation zur Familie

Die Familienproklamation wird 30 Jahre.
2025 wurde die Familienproklamation 30 Jahre alt.

Ein zentrales Lehrdokument der Kirche Jesu Christi ist die „Proklamation zur Familie“, die 1995 von den Propheten und Aposteln der Kirche veröffentlicht wurde. Darin wird beschrieben, was Familie aus Sicht der Kirche bedeutet: Ehe zwischen Mann und Frau, die Bedeutung von Elternschaft und die Verantwortung, die Eltern gegenüber ihren Kindern tragen.

Für viele Mitglieder ist die Proklamation ein wichtiger Orientierungspunkt — nicht als Liste von Regeln, sondern als Ausdruck eines tieferen Glaubens daran, dass Familien von Gott gewollt und gesegnet sind. Sie hängt in vielen Mitgliederhaushalten und wird regelmäßig in Gottesdiensten zitiert.

Ehe und Familie in der Kirche Jesu Christi

Ehe und Familie werden in der Kirche Jesu Christi als heilig angesehen. Viele Mitglieder wünschen sich eine stabile und liebevolle Partnerschaft, in der beide Verantwortung füreinander übernehmen.

Kinder gelten ebenfalls als großes Geschenk. Eltern sollen ihren Kindern Liebe, Sicherheit und Orientierung zu geben. Gleichzeitig wird betont, dass Menschen nicht nur durch ihre Rolle als Ehepartner oder Eltern definiert werden.

Nicht jeder heiratet oder bekommt Kinder — und nicht jede Lebensgeschichte verläuft gleich. Auch Alleinstehende, Verwitwete oder kinderlose Menschen gehören vollständig zur Gemeinschaft der Kirche.

Gerade deshalb ist Familie in der Kirche Jesu Christi nicht nur ein Idealbild, sondern oft ein persönlicher Entwicklungsweg mit unterschiedlichen Erfahrungen.

Rollen von Mann und Frau in der Familie

Ein Foto von den Schuhen eines Hochzeitspaars. Links die des Mannes, rechts die der Frau. Man sieht auch einen Teil der Hose bzw. des weißen Kleides.
Foto: MehrGlaube.de

Die Kirche Jesu Christi lehrt, dass Mann und Frau gleichwertig, aber nicht identisch in ihrer Rolle sind. Väter tragen laut Proklamation zur Familie die Verantwortung, für ihre Familie zu sorgen und sie zu leiten — im Sinne von Dienst und Fürsorge, nicht von Kontrolle. Mütter tragen laut Kirchenlehre eine besondere Verantwortung für die Erziehung und Begleitung der Kinder.

Gleichzeitig betont die Kirche, dass diese Rollen flexibel gelebt werden können, wenn die Umstände es erfordern. Alleinerziehende, berufstätige Mütter oder Väter in der Hauptrolle der Kinderbetreuung sind Teil der Realität vieler Mitglieder.

In modernen Gesellschaften wird diese Rollenteilung manchmal kritisch wahrgenommen. Viele Mitglieder sehen darin jedoch keine Einschränkung, sondern eine Einladung, Verantwortung füreinander bewusst zu übernehmen.

Interfaith-Ehen: Wenn ein Partner kein Mitglied ist

Nicht alle Mitglieder der Kirche heiraten andere Mitglieder. Sogenannte Interfaith-Ehen — Ehen zwischen einem Mitglied der Kirche Jesu Christi und einem Nicht-Mitglied — sind Realität in vielen Familien.

Die Kirche empfiehlt zwar, einen Partner zu wählen, der denselben Glauben teilt, weil gemeinsame Werte eine Ehe stärken können. Gleichzeitig werden Mitglieder in Interfaith-Ehen nicht ausgeschlossen oder verurteilt.

Eine besondere Frage ergibt sich beim Thema Tempelehe: Eine Siegelung im Tempel ist nur für getaufte und würdige Mitglieder möglich. Wenn ein Partner kein Mitglied ist, kann die Ehe zunächst standesamtlich oder in einer anderen Form geschlossen werden. Eine spätere Siegelung ist möglich, wenn beide Partner Mitglieder der Kirche sind und die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen und den Wunsch haben.

Was bedeutet die ewige Familie in der Kirche Jesu Christi?

Man sieht ein Ehepaar mit dem Rücken zur Kamera gedreht. Der Bräutigam schaut in Richtung eines Tempels der Kirche Jesu Christi, seine Frau schaut ihn lächelnd an.
Foto: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Ein bekanntes Konzept der Familie in der Kirche Jesu Christi ist die Vorstellung der „ewigen Familie“. Mitglieder glauben, dass familiäre Beziehungen über den Tod hinaus bestehen können.

Deshalb gibt es sogenannte Siegelungen im Tempel. Dabei werden Ehepaare — und oft auch Kinder — religiös miteinander verbunden. Nach dem Glauben der Kirche kann diese Verbindung auch nach dem Tod weiter bestehen.

Für viele Mitglieder ist diese Vorstellung eine Quelle von Hoffnung und Trost. Gleichzeitig wird das Thema manchmal missverstanden. Die Idee der ewigen Familie bedeutet nicht, dass Familien perfekt sein müssen oder dass jeder Lebensweg gleich aussieht.

Was ist eine Siegelung?

Eine Siegelung ist eine besondere religiöse Zeremonie im Tempel der Kirche Jesu Christi. Anders als eine gewöhnliche standesamtliche oder kirchliche Hochzeit soll eine Siegelung nach dem Glauben der Kirche nicht nur „bis dass der Tod euch scheidet“, sondern für die Ewigkeit gelten.

Viele Mitglieder empfinden diese Zeremonie als einen der wichtigsten Momente ihres Lebens.

Gleichzeitig gibt es auch schwierige Fragen rund um das Thema Siegelung — etwa nach Scheidung, Wiederheirat oder familiären Veränderungen. Nicht jede Situation ist einfach, und persönliche Lebenswege können sehr unterschiedlich verlaufen.

Scheidung und Familie in der Kirche Jesu Christi

Die Familie in der Kirche Jesu Christi wird als wertvoll und heilig betrachtet. Deshalb wird Scheidung normalerweise nicht leichtfertig gesehen.

Gleichzeitig erkennt die Kirche an, dass Beziehungen scheitern können. Situationen wie Gewalt, Missbrauch, schwere Konflikte oder dauerhafte Unvereinbarkeit können dazu führen, dass Menschen sich trennen.

Geschiedene Menschen bleiben weiterhin vollständig Teil der Gemeinde. Viele Mitglieder erleben Scheidung selbst oder innerhalb ihrer Familie. Das Thema wird daher mit Mitgefühl behandelt.

Auch nach einer Scheidung können Fragen rund um frühere Siegelungen oder neue Beziehungen entstehen. Diese Situationen werden meist individuell betrachtet. Auch gesiegelte Mitglieder können geschieden werden und auch die Siegelung kann aufgehoben werden. Nur weil ein Ehepaar aneinander gesiegelt wurde, bedeutet das nicht, dass man nach einer Scheidung gezwungen ist, mit dem ehemaligen Partner verbunden zu bleiben.

Adoption in der Kirche Jesu Christi

Die kleinen Füße eines Babys in den Händen der Eltern.

Adoption wird in der Kirche Jesu Christi positiv gesehen. Kinder, die adoptiert werden, gelten als vollwertiger Teil der Familie — sowohl im familiären als auch im spirituellen Sinne.

Adoptierte Kinder können wie leibliche Kinder mit ihren Eltern im Tempel gesiegelt werden. Die Kirche sieht Adoption als Ausdruck von Liebe und Verantwortung — als Möglichkeit, einem Kind ein Zuhause, Sicherheit und Geborgenheit zu geben.

Auch für Mitglieder, die keine eigenen Kinder bekommen können, ist Adoption oft ein bedeutungsvoller Weg. Die Vorstellung, dass Familienbande durch Liebe und Bund entstehen können — nicht nur durch Blut — entspricht dem tieferen Verständnis von Familie in der Kirche.

Moderne Familienformen in der Kirche Jesu Christi

Familie sieht überall anders auch. So auch Familie in der Kirche Jesu Christi. Es gibt Patchworkfamilien, Alleinerziehende, Adoptivfamilien, kinderlose Ehepaare oder Menschen, die alleine leben.

Obwohl die Kirche bestimmte Ideale von Ehe und Familie lehrt, versuchen viele Gemeinden gleichzeitig, Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen einzubeziehen und zu unterstützen.

Im Alltag spielt gemeinsame Zeit oft eine wichtige Rolle. Viele Familien beten zusammen, besuchen sonntags den Gottesdienst oder verbringen bewusst Zeit miteinander. Bekannt ist auch der sogenannte Familienabend, bei dem Familien einmal pro Woche gemeinsam Zeit verbringen, miteinander sprechen oder etwas unternehmen.

Dabei geht es weniger um Perfektion als darum, Beziehungen bewusst zu pflegen.

Singles in der Kirche: Alleinsein als vollwertiger Lebensweg

Ein Mann mit einer Gitarre in der rechten Hand geht in der Natur eine Straße entlang.

In einer Kirche, die Familie so stark betont, kann es für alleinstehende Menschen manchmal schwierig sein, sich vollständig zugehörig zu fühlen. Das ist eine ehrliche Spannung, die manche Mitglieder kennen.

Gleichzeitig lehrt die Kirche ausdrücklich, dass der Wert eines Menschen nicht davon abhängt, ob er verheiratet ist oder Kinder hat. Alleinstehende Menschen — ob unverheiratet, verwitwet oder geschieden — sind vollwertige Mitglieder der Gemeinschaft mit denselben Möglichkeiten zur spirituellen Entwicklung.

Für junge Erwachsene gibt es eigene Programme und Gemeinden, die soziale Verbindungen fördern. Auch ältere Singles finden in vielen Gemeinden Anschluss und Unterstützung. Die Kirche ermutigt alle Menschen, unabhängig von ihrem Familienstand, aktiv am Gemeindeleben teilzunehmen und Beziehungen zu pflegen — denn auch Freundschaft und Gemeinschaft sind Ausdruck des Glaubens an den Wert menschlicher Verbindungen.

Homosexualität und Familie in der Kirche Jesu Christi

Das Thema Homosexualität wird innerhalb und außerhalb der Kirche häufig diskutiert. Die Kirche Jesu Christi unterscheidet zwischen sexueller Orientierung und sexuellen Beziehungen.

Homosexuelle Menschen sind willkommen, Gottesdienste zu besuchen und Teil der Gemeinschaft zu sein. Gleichzeitig entspricht eine gleichgeschlechtliche Ehe nicht der offiziellen Ehelehre der Kirche, die sexuelle Beziehungen innerhalb einer Ehe zwischen Mann und Frau sieht.

Dieses Thema wird von vielen Menschen als emotional und persönlich erlebt — sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kirche. Manche Mitglieder empfinden Spannungen zwischen kirchlichen Lehren und gesellschaftlichen Entwicklungen. Andere sehen in den Lehren Orientierung und Stabilität.

Die Kirche betont regelmäßig, dass homosexuelle Menschen mit Liebe, Respekt und Würde behandelt werden sollen.

Polygamie und die Frühgeschichte der Kirche

Wer sich mit der Geschichte der Kirche Jesu Christi beschäftigt, stößt früher oder später auf das Thema Polygamie. Im 19. Jahrhundert praktizierten einige Mitglieder der frühen Kirche die sogenannte „Vielehe” — also Ehe mit mehreren Frauen.

Die Kirche beendete diese Praxis offiziell im Jahr 1890. Heute lehrt und praktiziert die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage die Monogamie. Mitglieder, die Polygamie praktizieren, werden exkommuniziert.

Für viele Mitglieder ist die frühe Polygamie ein komplexes Kapitel der Kirchengeschichte, das Fragen aufwirft. Die Kirche selbst stellt historische Informationen dazu offen zur Verfügung — unter anderem auf der offiziellen Website in den sogenannten „Gospel Topics Essays“ – Abhandlungen zu Evangeliumsthemen. Der Glaube vieler Mitglieder schließt ein, dass Gott zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Gebote geben kann — ähnlich wie in biblischen Zeiten.

Familie in der Kirche Jesu Christi im Alltag

Vater (links) und Mutter (rechts) halten jeweils eine Hand ihrer Tochter (mitte).

Für viele Mitglieder zeigt sich Familie in der Kirche Jesu Christi besonders im Alltag. Gemeinsames Gebet, gegenseitige Unterstützung und Zeit miteinander gelten als wichtige Bestandteile des Familienlebens.

Auch Glaube soll Familien nicht perfekt machen, sondern helfen, mit Herausforderungen besser umzugehen. Viele Mitglieder sehen christliche Werte wie Vergebung, Geduld und Verantwortung als wichtige Hilfe im Alltag.

Für Außenstehende wirkt die starke Betonung der Familie manchmal ungewöhnlich. Für viele Mitglieder ist sie jedoch Ausdruck der Hoffnung, dass Beziehungen Bedeutung haben und Menschen einander dauerhaft verbunden sein können.

Fazit: Welche Bedeutung hat Familie in der Kirche Jesu Christi?

Familie in der Kirche Jesu Christi nimmt einen wichtigen Platz im Glauben vieler Mitglieder ein. Ehe, Kinder und familiäre Beziehungen gelten als bedeutender Teil des persönlichen und geistlichen Lebens.

Gleichzeitig begegnen Mitglieder denselben modernen Fragen und Herausforderungen wie viele andere Menschen: Scheidung, unterschiedliche Lebensmodelle oder gesellschaftliche Veränderungen gehören auch hier zur Realität.

Die Kirche versucht, traditionelle Glaubensvorstellungen mit Mitgefühl, persönlichem Wachstum und Gemeinschaft zu verbinden. Deshalb ist Familie in der Kirche Jesu Christi für viele Mitglieder nicht nur ein religiöses Ideal, sondern vor allem ein Ort von Liebe, Verantwortung und Hoffnung.


Häufige Fragen zur Familie in der Kirche Jesu Christi

Was lehrt die Kirche Jesu Christi über Familie? Die Kirche sieht Familie als zentralen Teil von Gottes Plan für den Menschen. Ehe zwischen Mann und Frau, Elternverantwortung und familiärer Zusammenhalt gelten als wichtige Grundwerte. Das offizielle und bekannteste Lehrdokument dazu, ist die Proklamation zur Familie von 1995.

Was ist eine Siegelung im Tempel? Eine Siegelung ist eine religiöse Zeremonie im Tempel, durch die Ehepaare und Kinder nicht nur für dieses Leben, sondern für die Ewigkeit miteinander verbunden werden. Sie ist der Kern des Konzepts der „ewigen Familie”.

Wie steht die Kirche Jesu Christi zu Scheidung? Scheidung wird nicht leichtfertig gesehen, aber anerkannt, wenn Beziehungen scheitern – nicht nur bei Gewalt oder Missbrauch. Geschiedene Menschen bleiben vollwertige Mitglieder der Gemeinschaft.

Können gleichgeschlechtliche Paare in der Kirche heiraten? Nein. Die offizielle Ehelehre der Kirche definiert Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau. Homosexuelle Menschen sind jedoch als Mitglieder willkommen und werden mit Respekt und Würde behandelt.

Was ist die Proklamation zur Familie? Ein 1995 veröffentlichtes Lehrdokument der Kirche, das die Bedeutung von Familie, Ehe und Elternschaft aus kirchlicher Sicht beschreibt. Es gilt für viele Mitglieder als wichtiger Orientierungspunkt im Alltag.

Hat die Kirche Jesu Christi früher Polygamie praktiziert? Ja, im 19. Jahrhundert lebten einige frühe Mitglieder die sogenannte plurale Ehe. Diese Praxis wurde 1890 offiziell beendet. Heute praktiziert die Kirche ausschließlich die Einehe – wer Polygamie praktiziert, wird exkommuniziert.

Was passiert bei einer Interfaith-Ehe? Mitglieder, die einen Nicht-Mitglied heiraten, werden nicht ausgeschlossen. Die Ehe kann standesamtlich geschlossen werden. Eine Tempelversiegelung ist erst möglich, wenn beide Partner Mitglieder der Kirche sind.

Wie geht die Kirche mit Singles um? Die Kirche betont, dass der Wert eines Menschen nicht vom Familienstand abhängt. Alleinstehende sind vollwertige Mitglieder mit denselben spirituellen Möglichkeiten – es gibt auch eigene Programme und Gemeinden für Singles.

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