Frauenhilfsvereinigung (auch FHV genannt) – der Name klingt ein bisschen nach Kaffeekränzchen, Handarbeitsgruppe und dem Jahr 1950. Tatsächlich steckt dahinter eine weltweite Gemeinschaft von Frauen, die seit mehr als 180 Jahren zur Kirche Jesu Christi gehört. 

Aber was genau ist die Frauenhilfsvereinigung? Was machen die Frauen dort – und warum gibt es überhaupt eine eigene Organisation für sie? Dieser Artikel soll dir einen Überblick verschaffen. Hast du weitere Fragen dazu? Hinterlass uns einen Kommentar, und wir versuchen, eine Antwort zu finden.

Was ist die Frauenhilfsvereinigung?

Die Aktuelle Präsidentschaft der Frauenhilfsvereigigung.
Die aktuelle Präsidentschaft der FHV – J. Anette Dennis, Präsidentin Camille N. Johnson und Kristin M. Yee. Foto: newsroom

Die Frauenhilfsvereinigung ist die Organisation für erwachsene Frauen in der Kirche Jesu Christi. Sie wurde bereits 1842 gegründet und ist heute in Gemeinden auf der ganzen Welt zu finden.

Dabei geht es nicht einfach darum, eine zusätzliche Gruppe innerhalb der Kirche zu haben. Frauen sollen darin ihren Glauben an Jesus Christus vertiefen, Freundinnen finden, einander unterstützen und Menschen helfen, die Unterstützung brauchen.

Das kann ziemlich unterschiedlich aussehen – und oft ganz praktisch sein.

Was macht man in der Frauenhilfsvereinigung?

Wenn du an einem Sonntag eine Gemeinde besuchst, kannst du selbst erleben, wie die Frauenhilfsvereinigung aussieht. Ab September treffen sich die erwachsenen Frauen nach gemeinsamen Abendmahlsgottesdienst und Sonntagsschule zu einer eigenen Versammlung.

Dort wird über Jesus Christus und das Evangelium gesprochen. Grundlage können beispielsweise Ansprachen aus der Generalkonferenz sein. Es geht aber nicht nur darum, jemandem beim Reden zuzuhören. Die Frauen tauschen Gedanken und persönliche Erfahrungen aus und überlegen gemeinsam, was der Glaube mit ihrem eigenen Leben zu tun hat. Hast du Fragen, kannst du sie stellen. Hast du ein Problem, ergibt sich oft auch die Möglichkeit, sich darüber mit den anderen auszutauschen.

Die Frauenhilfsvereinigung beschränkt sich außerdem nicht auf den Sonntag.

Je nach Gemeinde gibt es gemeinsame Aktivitäten oder Möglichkeiten, anderen zu helfen. Manchmal braucht jemand nach einer Operation Unterstützung, eine Familie steckt in einer schwierigen Situation oder eine Frau fühlt sich einfach allein und könnte jemanden zum Reden gebrauchen.

Vieles davon ist unspektakulär. Gerade darin liegt aber ein wichtiger Teil der Idee: Menschen sollen in einer Gemeinde nicht nebeneinander her leben, sondern aufeinander achten.

Wer gehört zur Frauenhilfsvereinigung?

Vier Frauen sitzen in einer Sonntagsschulklasse der Frauenhilfsvereinigung – kurz FHV
Foto: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Grundsätzlich gehören erwachsene Frauen der Kirche ab 18 Jahren zur Frauenhilfsvereinigung. Ob verheiratet oder alleinstehend, mit oder ohne Kinder, spielt dabei keine Rolle.

Und wenn du die Kirche einfach kennenlernen möchtest, musst du natürlich kein Mitglied sein, um eine Versammlung oder eines der Treffen unter der Woche zu besuchen. Du kannst es dir einfach einmal anschauen.

Für Mädchen und Jugendliche gibt es andere Gruppen und Programme innerhalb der Kirche. Mit dem Erwachsenenalter wechseln junge Frauen normalerweise in die Frauenhilfsvereinigung.

Warum gibt es eine eigene Organisation für Frauen?

Tatsachlich gibt es in der Kirche Jesu Christi viele verschiedene Organisationen, nach Alter oder auch nach Geschlecht getrennt. Die Frauenhilfsvereinigung soll Frauen einen eigenen Raum geben, in dem sie Verantwortung übernehmen, einander stärken und gemeinsam etwas bewegen können.

Sie wird dabei auch von Frauen geleitet. Sowohl in der einzelnen Gemeinde als auch auf überregionaler und weltweiter Ebene übernehmen Frauen Leitungsaufgaben innerhalb der Organisation.

Dabei steht die Frauenhilfsvereinigung nicht für sich allein. Sie arbeitet mit anderen Organisationen und Verantwortlichen der Gemeinde zusammen. Wenn beispielsweise jemand Unterstützung benötigt, stimmen sich verschiedene Personen miteinander ab.

So ist die Frauenhilfsvereinigung ein fester Bestandteil der Art und Weise, wie eine Gemeinde organisiert ist und füreinander sorgt.

Die Frauenhilfsvereinigung gibt es seit 1842

Die Präsidentschaft der Frauenhilfsvereinigung der Kirche um die Wende zum 20. Jahrhundert, mit weiteren Frauen.
Foto: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Die Geschichte der Frauenhilfsvereinigung beginnt am 17. März 1842 in Nauvoo im US-Bundesstaat Illinois. Eine Gruppe von Frauen wollte sich organisieren, um Bedürftigen zu helfen und die Arbeiten rund um den Bau des Nauvoo-Tempels zu unterstützen. Daraus entstand eine eigene Organisation innerhalb der Kirche. Emma Smith, die Frau von Joseph Smith, wurde ihre erste Präsidentin.

Die weitere Geschichte verlief allerdings nicht ohne Unterbrechungen. Die letzten regulären Versammlungen in Nauvoo fanden bereits im März 1844 statt. Als eine Wiederaufnahme geplant wurde, setzte Brigham Young die Treffen 1845 aus. Dabei spielten neben den schwierigen Umständen in Nauvoo vermutlich auch Spannungen um Emma Smith, die Mehrehe und Fragen kirchlicher Autorität eine Rolle. 

Interessanterweise unterstützte Brigham Young später selbst den Wiederaufbau der Frauenhilfsvereinigung. Ab den 1850er-Jahren entstanden in Utah wieder örtliche Gruppen. 1867 rief Young schließlich dazu auf, die Frauenhilfsvereinigung in den Gemeinden wieder dauerhaft zu organisieren. Eliza R. Snow, die schon bei der ursprünglichen Organisation in Nauvoo dabei gewesen war, spielte dabei eine wichtige Rolle.

Aus den ersten Treffen einiger weniger Frauen in Nauvoo entwickelte sich so – mit Umwegen und Unterbrechungen – eine weltweite Organisation. Der ursprüngliche Gedanke ist dabei bis heute erkennbar geblieben: Glaube soll sich nicht nur darin zeigen, worüber man spricht, sondern auch darin, wie Menschen miteinander umgehen und füreinander da sind.

„Nächstenliebe hört niemals auf“

Das Motto der Frauenhilfsvereinigung lautet „Nächstenliebe hört niemals auf“. Es stammt aus dem Neuen Testament und fasst ziemlich gut zusammen, worum es geht.

Nächstenliebe kann bedeuten, jemandem ganz konkret zu helfen. Sie kann aber genauso darin bestehen, zuzuhören, jemanden einzubeziehen, Trost zu geben oder eine Freundschaft aufzubauen.

Damit ist die Frauenhilfsvereinigung heute weder ein historischer Frauenverein noch einfach eine zusätzliche Veranstaltung am Sonntag. Sie soll Frauen helfen, ihren Glauben an Jesus Christus zu leben und gleichzeitig andere Frauen und Menschen in ihrem Umfeld zu stärken.

Und wahrscheinlich versteht man sie genau dann am besten: nicht als Organisation auf einem Organigramm, sondern als Teil einer Gemeinde, in der Menschen versuchen, füreinander da zu sein.

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